Vernissage von Mathieu Kleyebe Abonnenc im Kunstforum

13. Juni 2018
Das Kunstforum der Baloise ladet ein zur Vernissage von Mathieu Kleyebe Abonnenc und der neuen Ausstellung; Vieux-Wacapou. Die Austellung wird vom 13. Juni – 26. Oktober 2018 im Kunstforum zusehen sein. Die Vernissage wird am Tag der Eröffnung Mittwoch, 13. Juni 2018, 18-22 Uhr stattfinden.
Baloise-Art-Prize-2015_Mathieu-Kleyebe-Abonnenc

Der französische Künstler Mathieu Kleyebe Abonnenc (geb. 1977), der an der Art Basel 2015 mit dem Baloise Kunst-Preis ausgezeichnet wurde, hat für seine Ausstellung im Kunstforum Baloise Ende letzten Jahres eine Serie von grossformatigen Farbfotografien geschaffen. Entstanden ist die Serie in Französisch-Guyana, einem Überseedépartement an der Nordostküste Südamerikas, wo der Künstler seine Kindheit verbracht hat. Der Titel der Serie – Vieux-Wacapou – verweist auf einen Ort am Fluss Maroni, der das Ziel von Abonnencs letztjähriger Reise ins Landesinnere war. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich an diesem von Urwald umgebenen Ort Einwanderer aus dem englischsprachigen Santa Lucia und den angrenzenden frankofonen Antilleninseln niedergelassen. Die meistenSiedler waren Nachkommen von Menschen aus Afrika, die seit dem 17. Jahrhundert auf den Antillen Sklavenarbeit verrichtet hatten. Wacapou entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer prosperierenden Ortschaft, die von der Goldwäscherei lebte. Mitte der 1980er Jahre entschied sich die Mutter des Künstlers, in diesem Weiler das Haus von Joseph Bernes, eines ehemaligen Geldwäschers, zu erwerben. Das Holzhaus, das von einem kleinen Gemüsegarten umgeben war, sollte die einzige Liegenschaft sein, die Abonnencs Mutter je besessen hat. Ein post-kolonialer Bürgerkrieg, der im Sommer 1986 im benachbarten Surinam ausbrach, durchkreuzte jedoch ihren Plan, zeitweise mit ihrer Familie in Wacapou zu leben. Es erwies sich nunmehr als gefährlich, sich in diesem Grenzort aufzuhalten. Mehr als dreissig Jahre liegen zwischen den kriegerischen Ereignissen in Surinam und Abonnencs Entschluss, nach Wacapou zu reisen. Die Foto-Serie Vieux-Wacapou dokumentiert die Suche des Künstlers nach dem Ort, den er in seiner Kindheit gekannt hatte. Heute liegen die Reste der aufgelassenen Ansiedlung unter einer dichten Vegetationsschicht begraben.

Abonnenc musste daher wie ein Archäologe vorgehen, um dem Urwald seine Geheimnisse abzuringen. Seine Fotografien der Siedlungsreste von Wacapou halten ein reiches und komplexes Amalgam von europäischer Kolonialgeschichte, Zeit- und Familiengeschichte fest. Gleichzeitig stellen sich Abonnenc in der Beschäftigung mit der Geschichte des Hauses seiner Mutter Fragen, die über den unmittelbaren Anlass hinausweisen. Er führt dazu aus: «Die Fragen, mit denen ich mich auseinandersetzen möchte, erweisen sich als produktiv: Wem gehört dieses Land? Vom wem haben sie es erhalten? Wo ist ihr Haus? Diese drei Erzählstränge bestimmen die Lektüre der Orte, die ich aufsuchen möchte, um zu versuchen, der fragilen Erinnerung an das Haus bildhafte Gestalt zu verleihen.» (M.K.Abonnenc, Maraudeur, 2017).
Martin Schwander

Abonnenc